Interview mit Valerie Hackl (Mitglied des Vorstandes, ÖBB-Personenverkehr)

Dr. Valerie Hackl ist Mitglied des Vorstandes der ÖBB-Personenverkehr AG. Sie verantwortet die Bereiche Fernverkehr, Vertrieb, Digitale Mobilität und Unternehmensentwicklung & Marketing, sowie den ÖBB Fernbus.

Nach dem Studium der Betriebswirtschaft an den Universitäten Wien und Vancouver sowie an der Hochschule St. Gallen begann die ehemalige Spitzensportlerin ihre Berufslaufbahn 2005 in einer internationalen Strategieberatung. 2012 trat sie als Assistentin des Vorstandsvorsitzenden in den ÖBB-Konzern ein und wechselte 2014 in die Position als Leiterin der Konzernstrategie- und Unternehmensentwicklung der ÖBB-Holding AG. Im Dezember 2015 folgte die Berufung in den Vorstand der ÖBB-Personenverkehr AG.

HacklValerie Hackl (Mitglied des Vorstandes, ÖBB-Personenverkehr)

 Nennen Sie 3 Punkte wie Sie in Ihrem Unternehmen das Thema Innovation umsetzen?

Hier könnte ich eine sehr lange Liste an Themen und Bereichen anführen. Innovation mag vielerorts ein Schlagwort sein – wir sehen darin ganz konkret vor allem das große Potential, noch näher am Kunden zu sein und unser Handeln, unser Angebot und unsere Services noch besser an dessen Bedürfnissen auszurichten. Das Ziel lautet, zukunftsweisende Maßstäbe zu setzen – hin zu intelligenter Mobilität von morgen. Wir nutzen dabei den sogenannten Open Innovation-Ansatz:

  • Unter openinnovation.oebb.at betreiben die ÖBB ein eigenes, auf Innovation ausgerichtetes Kundenforum: Wir binden Kunden direkt in die Projekt- und Produktentwicklung ein, um aus dem Feedback Lösungen zu optimieren. Ein ganz aktuelles Beispiel ist hier etwa Rail&Drive. Mittels Pilotbetrieb wurde ein neuer Carsharing-Ansatz der ÖBB auf Herz und Nieren getestet, aktuell erfolgt – auf Basis des gesammelten Feedbacks – die Optimierung und Adaption des Systems.

  • Auch die Open Innovation Challenge setzt auf aktive Mitgestaltung: Ideen von Kunden werden zur Lösung von aktuellen Problemstellungen eingesetzt. Ein Beispiel wäre hier „Finde deinen Sitzplatz“: Mittels Anzeige am Bahnsteig wird vor Eintreffen des Zugs angezeigt, wie die Auslastung in den einzelnen Waggons ist – so können freie Sitzplätze schon vorab ausgemacht und die entsprechende Garnitur bestiegen werden. Dabei ist auch Prototyping eine wesentliche Komponente – denn der Prototyp der erwähnte Anzeige wurde inhouse konstruiert.

  • Zudem versuchen wir, Kunden Innovation ganz direkt am Kernprodukt erleben zu lassen und auch in für sie relevanten Bereich in die Beschaffungsentscheidung miteinzubeziehen: So wurden mittels Mock-Up-Tests Liege- und Schlafwagenabteile bewertet sowie Sitztests für unterschiedliche Bestuhlung durchgeführt. Solche „Realtests“ sind bis dato einzigartig für ein Bahnunternehmen.

Inwiefern beeinflusst die Konkurrenz die Innovationsgeschwindigkeit in Ihrem Unternehmen?

In diesem Fall kann man die altbekannte Weisheit, wonach die Konkurrenz das Geschäft belebt, eins zu eins auch auf Innovationsgeschwindigkeit umlegen. Und genau das sehe ich sehr positiv. Für uns ist die stetige Verbesserung und Entwicklung von Prozessen und Services entlang der Kundenbedürfnisse oberste Priorität. Wettbewerb als belebender Faktor trägt also maßgeblich zu kontinuierlichem Fortschritt bei.

Welche Entscheidung in Ihrer Karriere brachte Sie am weitesten voran und warum?

Für mich war das die Bewerbung um den Vorstand. Einer der wertvollsten Ratschläge, die ich im Rahmen meiner Laufbahn bekam, war: Sei mutig. Glaub an dich. Sei dein eigener Kompass und gehe deinen Weg, auch wenn er womöglich nicht einfach wird. Diesen Ratschlag habe ich gerade hier befolgt und ich wachse und lerne jeden Tag mit dieser großen, herausfordernden aber schönen Aufgabe eines der größten Unternehmen Österreichs mitzugestalten und weiterzuentwickeln.

Wie erkennen Sie Innovationspotential? 

Da gibt es für mich zwei Ansätze. Zum einen: Bauchgefühl. So einfach das klingen mag – aber oftmals ist es einfach ein Impuls aus dem Bauch heraus, der mir sagt „go for it“. Klarerweise vertraue ich aber auch auf klassische Analyseparamter, die bei neuen Ideen und Produkten eingesetzt werden: Wie sieht das Marktumfeld aus? Ist der notwendige Bedarf gegeben? Welche Alleinstellungsmerkmale gibt es bei einer Idee? Welche Weiterentwicklungspotentiale stecken dahinter?

In welchem Bereich Ihrer beruflichen Tätigkeiten entsteht ein Nervenkitzel?

In sehr vielen. Spannend ist für mich beispielsweise die Konzeption und Einführung neuer Produkte und Services, wie etwa der Start der ÖBB Nightjets im Dezember letzten Jahres. Generell faszinieren mich Aufgaben, die unsere Kunden und Mitarbeiter unmittelbar spüren und hoffentlich positiv berühren.

Danke für das Interview – wir freuen uns schon sehr Sie am 31. Mai in unserem Podium begrüßen zu dürfen.